Wie man Texte korrigiert und Kritik nutzt

Korrekturlesen ist das A und O. Du bist ebenfalls Autor oder möchtest einen Text veröffentlichen? Dann helfen dir meine Tipps bestimmt deinen Text zu verbessern.

Fehler schleichen sich schnell ein. Du möchtest aber professionell auftreten. Da kommen Rechtschreibfehler, grammatikalische Fehler und andere Fehlerteufel gar nicht gut an. Das gilt für Veröffentlichungen jeder Art. Außerdem muss natürlich die Story stimmen. Spannungsbögen müssen aufgebaut, authentische Figuren erschaffen und nachvollziehbare Szenen erdacht werden.

Hier also meine Tipps, um einen möglichst fehlerfreien und ansprechenden Text zu produzieren.

Lese deinen Text Korrektur

Wie lese ich meinen eigenen Text Korrektur? Jeder Satz, jedes Wort ist ist aus meiner Feder geflossen. Ich verliere die Distanz zum Text. Trotzdessen muss man den Text auf Fehler Korrektur lesen und den Inhalt überarbeiten.

Fehlerkorrektur beinhaltet Rechtschreibung, Grammatik, Satzaufbau, Wortwahl etc. Das ist, dank automatischer Rechtschreibkorrektur, schon viel leichter geworden. Trotzdem passieren immer wieder Fehler, die diese Programme nicht erkennen. Ich bin bei der Recherche zu beliebten Kommata-Fehlern auf eine Interview gestoßen, bei dem ich echt schmunzeln musste. Ich dachte, das kann ich nicht für mich behalten und teile ihn hier mit euch:

bildungsXperten: Was war der lustigste Fehler, der Ihnen bisher begegnet ist?

Hermann Eisele: Auf www.nebensatz.com finden Sie eine interessante Auflistung vieler witziger und zum Teil auch sehr krasser Fauxpas. Meine derzeitigen Favoriten sind: angeloamerikanisch, Steakholder, Shakeholder, Rum und Reichtum, Kundensegmente erschießen, Jahresabschuss, Krakenkasse, Steuerbrater, Investmentfond und Reschärsche. Täglich kommen neue hinzu.“

http://www.bildungsxperten.net/bildungschannels/studium/interview-fehler-vermeiden-durch-lektorat/, 11. Juni 2016, 11:41h

Das Problem bei all diesen Fehlern ist, dass man sie schwer erkennt. Das Gehirn ist ein guter Rechenapparat. Er baut selbst aus den verrücktesten Buchstabenketten Wörter zusammen. Ich verweise hier auf Texte, bei denen die Anfangs- und Endbuchstaben der Wörter an der richtigen Stelle stehen und der Rest wild zusammengewürfelt ist. Trotzdem können wir den Text lesen. Genau das passiert mit unseren eigenen Texten auch. Wir wissen, was wir geschrieben haben und können deshalb Fehler schwer erkennen.

Ich habe schon unterschiedliche Techniken ausprobiert:

  • Den Text erstmal liegen lassen und dann Korrektur lesen,
  • den Text rückwärts lesen, zwar Wort für Wort, aber von rechts nach links,
  • langsam lesen,
  • den Fokus auf verschiedene Dinge legen, entweder nur inhaltlich oder nur auf Fehler hin.

Habe ich den Text dann mehrfach gelesen, dann lasse ich andere Leser ran.

Lasse so viele Leute korrekturlesen wie möglich

Egal ob Familie, Freunde oder Kollegen, jeder Leser kann einem wertvolle Inputs geben. Jeder Leser hat einen anderen Fokus und so bekommt man durch viele Korrekturleser auch viel Feedback. Mit der Zeit hat man auch ein dickes Fell 😉

Inhaltlich korrekturlesen ist auch wichtig. Man braucht jemanden, der einem sagt, welche Abschnitte durch eine Entschlackung schöner werden. Mit der Zeit habe ich gelernt, dass es leichter ist, Szenen zu streichen, als ich dachte.

Schicke deine überarbeiteten Texte an einen professionellen Lektor

Ich zeige euch anhand meiner Amazonenromane wie es damals für mich war. Stellen wir die Uhren auf Anfang.

Ein paar Monaten zuvor hatte ich die letzten Anmerkungen von Freunden und Kollegen in meine Amazonen-Bücher eingepflegt und habe meine 4 Jahre altes Baby ins professionelle Lektorat gegeben. Ich war zuversichtlich, denn immerhin war schon viel, viel Arbeit in die Texte geflossen.

Atme Kritik weg und lass‘ deine Texte wie Phoenix aus der Asche emporsteigen

Dann bekam ich die Bücher zurückgeschickt und … fand eine Schreibblockade im Anhang. So viel zu korrigieren! Figuren, die umgestaltet werden sollten. Hinweise, die einigen Szenen und Figurenkonstellationen eine Typberatung ans Herz legten. Und so sporadisch ein Wort des Lobes, dass meine Finger sich gar nicht mehr an die Tastatur herantrauten.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich musste kleine Baby-Schritte durch meine drei Bücher machen, von denen jeder kräftezehrend war.

Aber dann, einiges an Hin und her, einen Urlaub und fünf Sinnkrisen später – konnte ich mit einem filmreifen Endspurt endlich die Ziellinie überqueren.

Gibt deinen Texten und dir Zeit

Eine kleine Stimme in meinem Hinterkopf flüstert mir allerdings die ganze Zeit zu, dass andere Autorinnen das viel schneller hinbekommen hätten, viel souveräner mit Kritik umgehen … Bla, bla, bla.

Die Stimme kenne ich schon länger, aber nervig ist sie trotzdem. Versauen lasse ich mir von ihr den kleinen Höhenflug von heute aber nicht, denn eines ist klar: Ich habe in meinem Tempo einen ziemlich großes Haufen an Wörtern zum x-ten Male durchgekaut und rückblickend kann ich sagen, dass mir das Amazonen-Gericht immer noch schmeckt.

Springe immer wieder ins kalte Wasser: Lass‘ nochmal die Lektoren ran

Als nächstes kommt ein Treffen mit meiner Lektorin, danach habe ich wahrscheinlich wieder einen steilen To-Do-Berg zu erklimmen, aber immerhin hab ich jetzt das passende Kletterequipment und kann für ein paar Tage die schöne Aussicht vom ersten Berg aus genießen.

Dann hat die Autorenseele hoffentlich genug Kraft getankt, um die nächste Talfahrt zu überstehen.

Aber das ganze Schwitzen und Heulen bringt ja auch was, meine Amazonen sind jedenfalls ein bisschen reifer geworden.

Ganz viel Liebe an alle, die gerade in irgendeiner Weise an ihrem Text verzweifeln. Einfach weiterknabbern! Dann hat man irgendwann alle Knacknüsse(-punkte) aufgegessen.

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments
0
Would love your thoughts, please comment.x
()
x